Experten diskutieren im Bundestag: FinTech – Zukunft der Finanzgeschäfte?

Berlin – von Nadja Naumann (Händlerbund e.V.).

Junge FinTech-Unternehmen sind Innovationstreiber der digitalisierten Finanzbranche. Neuen Technologien bei Finanzgeschäften kommt aufgrund der Digitalisierung immer mehr Bedeutung zu. Und auch der Online-Handel auf Innovationen bei Finanzdienstleistungen angewiesen.

Andreas Arlt, Bundesvorsitzender des Händlerbund e.V., eröffnet mit einem Grußwort die FinTech-Expertendiskussion im Bundestag. Foto: Händlerbund

Andreas Arlt, Bundesvorsitzender des Händlerbund e.V., eröffnet mit einem Grußwort die FinTech-Expertendiskussion von DGFHP und Händlerbund im Bundestag. Foto: Händlerbund

Ob diese tatsächlich die Zukunft der Finanzgeschäfte bedeuten, hat ein Expertenpanel im Rahmen der Podiumsdiskussion „‚FinTech – Zukunft der Finanzgeschäfte?“ des Händlerbundes und der DGFHP, der Deutschen Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik e.V., in Berlin diskutiert.

FinTechs treiben Elefanten mit kleinen Stöckchen

Derzeit entwickelt eine ganze Reihe von Start-ups Möglichkeiten, um Bankgeschäfte, Kreditdarlehen, Payment-Optionen und mehr umfassend digital anzubieten. Doch sie stehen damit erst am Anfang. Auch die Banken sind bei dieser Entwicklung gefragt, sehen aber derzeit eher eine Bedrohung in den Fintech-Start-ups. Vielleicht zu Recht? Schließlich schwindet das Vertrauen der Kunden in Banken immer mehr.

Experten diskutieren Herausforderungen der jungen FinTech-Branche im Bundestag: (v.r.n.l.) Dr. Harald Noack (Vorsitzender DGFHP-Beirat), Dr. Tamaz Georgadze (SavingGlobal GmbH), Wolfgang Kuhlmann (DGFHP / WEBPUTATION), Gregor Puchalla (FintechStars GmbH), Christoph Stresing (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK) und Andreas Arlt (Bundesvorsitzender Händlerbund e.V.). Foto: Händlerbund

Experten diskutieren Herausforderungen der jungen FinTech-Branche im Bundestag: (v.r.n.l.) Dr. Harald Noack (Vorsitzender DGFHP-Beirat), Dr. Tamaz Georgadze (SavingGlobal GmbH), Wolfgang Kuhlmann (DGFHP / WEBPUTATION), Gregor Puchalla (FintechStars GmbH), Christoph Stresing (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK) und Andreas Arlt (Bundesvorsitzender Händlerbund e.V.). Foto: Händlerbund

Genau diese Problematik wurde bei der Podiumsdiskussion „#FinTech – Zukunft der Finanzgeschäfte?“ von DGFHP und Händlerbund intensiv erörtert. Viele Podiums-Teilnehmer waren sich einig, dass es kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander geben sollte. Warum sollten die großen Unternehmen nicht Impulse von den Kleinen erhalten, in sie investieren, sie möglicherweise auch übernehmen und sich so das Wissen einkaufen?

Das Problem der großen Banken sei laut Gregor Puchalla, Geschäftsführer der FintechStars GmbH, die der Digitalberatung Etventure angehört, dass sie nicht aus der Sicht der Kunden denken. „Banken verstehen das nicht, Start-ups dagegen schon“, stellte er fest. Sie orientieren sich an den Wünschen ihrer Kunden und schlagen somit erfolgreich die Brücke zwischen Technologie und Kundenbedürfnissen. Gerade FinTech-Start-ups würden doch beweisen, dass sie große Elefanten mit kleinen Stöckchen vor sich hertreiben könnten.

Finanzierung und Regulierung als Herausforderung

Auf der Podiumsdiskussion wurde aber auch deutlich, dass Regulierungen eine Herausforderung für junge FinTech-Start-ups darstellen. Zwar bemerkte Sarah Brylewski von der ayondo GmbH, einem Unternehmen für Social-Trading-Technologien, dass Regulierungen notwendig seien, um gegen internationale Hürden bestehen zu können, und dass sie eine Art „Qualitätssiegel“ im Ausland darstellen.

FinTech-Arlt-Stresing-Puchalla-Kuhlmann-Georgadze-Noack-Haendlerbund

Diskussion im Bundestag zum Thema „FinTech – Zukunft der Finanzgeschäfte?“: Andreas Arlt, Bundesvorsitzender Händlerbund, leitet die Veranstaltung ein. Rechts im Bild: Christoph Stresing (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK), Gregor Puchalla (FintechStars GmbH), Moderator Wolfgang Kuhlmann (DGFHP / WEBPUTATION), Dr. Tamaz Georgadze (GlobalSaving GmbH) und Dr. Harald Noack (Beiratsvorsitzender der DGFHP). Foto: Händlerbund

Dennoch herrsche laut Dr. Tamaz Georgadze von der SavingGlobal GmbH, Betreiber der Webseite weltsparen.de, eine große Unsicherheit bei der Auslegung von Gesetzen, und es mangele an passenden Ansprechpartnern für die Fintech-Branche. Zudem bremsen Regulierungen seiner Meinung nach die Entwicklungen in Deutschland.

Auch die Finanzierung der Fintech-Start-ups stellte sich als Hürde für die Branche heraus. Der Venture-Capital-Markt in Deutschland sei laut Christoph Stresing, stellv. Geschäftsführer des BVK (Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V.), „zwar stabil, aber viel zu klein“.

Er forderte Deutschland auf, sich zu fragen, wie man den Anschluss nicht verliere. Nur in der frühen Phase sei es für FinTech-Start-ups einfach, Kapital zu bekommen. Gerade dort könnten die Banken einspringen und in kleine Start-ups investieren.

Ein stärkerer Dialog und die Zukunft von Fintech

Zusammenfassend hielt Moderator Wolfgang Kuhlmann, Geschäftsführer der DGFHP und Inhaber der Digital-Marketing-Agentur Webputation, eines der Diskussionsergebnisse der Gesprächspartner fest: Die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Banken, der FinTech-Start-ups und auch der Politik sollten an einen Tisch gebracht werden. Der Dialog müsse verstärkt und mehr Diskussionen angeregt werden sowie ein intesiverer Austausch stattfinden.

"#FinTech - Zukunft der Finanzgeschäfte?" - Expertendiskussion im Bundestag, veranstaltet von Händlerbund und Deutsche Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik

„#FinTech – Zukunft der Finanzgeschäfte?“ – Expertendiskussion im Bundestag, veranstaltet von Händlerbund und Deutsche Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik

In der abschließenden Einschätzung waren sich die Hauptredner einig, wo sie die FinTech-Start-ups in den nächsten fünf Jahren sehen: Es werde eine Konsolidierung stattfinden, so das Urteil der Experten.

Dr. Harald Noack, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der DGFHP e.V., appellierte daher an die Politik, sich in Großbritannien und in den USA umzuschauen, denn dort „findet sie vielleicht Antworten auf offene Fragen“.

 

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