„Rettet Europa vor der EU“ – Buchrezension von Carlos A. Gebauer

Berlin – von Marco Duller.

Angesichts der aktuellen geld- und wirtschaftspolitischen Ereignisse in dieser Woche, wie etwa die Wahlen in Griechenland oder die Entscheidung der EZB zur Ausweitung der Geldmarktpolitik, wirkt das Buch „Rettet Europa vor der EU: Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht“ von Carlos A. Gebauer thematisch aktuell.

Herrschaft durch Geldpolitik?

 Carlos A. Gebauer: Rettet Europa vor der EU: Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht, FinanzBuch Verlag, ISBN 978-3-89879846-4, Preis 17,99 Euro.

Aktuelles Buch von Carlos A. Gebauer: „Rettet Europa vor der EU: Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht“. Quelle: FinanzBuch Verlag

Die EU bzw. die Euro-Rettungspolitik steht immer wieder in der Kritik. Carlos A. Gebauer, Rechtsanwalt und Stiftungsrat der Stiftung liberales Netzwerk und Fernsehanwalt, versucht sich mit seiner Publikation der Kritik an der Europäischen Union anders zu nähern als die altbekannten Euro-Kritiker.

Am Ende steht ein Plädoyer für weniger Bürokratie und EU – mit einer zum Teil interessanten Herleitung der Kritik. Der Autor möchte sich der EU auf einem neuen Weg nähern. Bisher gibt es laut Gebauer zwei generelle Wege, wie sich der EU genähert wird: skeptisch oder lobend. Gebauer möchte sich der EU aus einer deutschen Perspektive widmen.

Deswegen leitet sein Buch „Rettet Europa vor der EU“ mit einem Kapitel über Herrschaft und Macht ein, indem er einen recht knapp gehaltenen philosophischen Diskurs über die Ursprünge der Herrschaft und deren Legitimation abhält.

Etwas ausführlicher gerät der Abschnitt über die „Herrschaft durch Geldpolitik“. In diesem Teilabschnitt zieht Carlos A. Gebauer Zitate, Gesetzesabschnitte und Aussagen von teils Euroskeptikern und Wissenschaftlern heran. Eine Kritik an der Europolitik ist nicht zu verkennen. Gebauer untermauert dies zum Teil mit Zitatgebern, wie Sieghardt Rometsch, die er als „hinreichend kompetent“ bezeichnet.

Ist selbst der Presse nicht mehr zu trauen?

In einem weiteren Diskurs über „Herrschaft durch Lenkung“ gibt der Autor dem Leser einen Einblick, wie er selbst die Funktionsweise der Presse sieht und begreift. Das Unwort des Jahres 2014, nämlich „Lügenpresse“, kommt zwar nicht wortwörtlich vor, dennoch kann beim Lesen der Eindruck entstehen, dass Medien grundsätzlich kritisch gegenüber getreten werden muss, insbesondere den öffentlich-rechtlichen. Auch hier wird wieder mit reichlich Zitaten gearbeitet, die Meinungen ausdrücken, ohne das der Autor es selbst aussprechen muss. Ausführlich widmet sich Gebauer einer dpa-Meldung mit dem Titel „Fraktion der EU-Gegner im Europaparlament geplatzt“.

„So bitter es klingt: Jene Agenturmeldung der Deutschen Presseagentur kann bei genauer Betrachtung nicht im Ansatz für sich reklamieren, seriöser Journalismus zu sein.“

Einige Textstellen weiter schreibt Gebauer:

„Schon die Rede von einem „Europaparlament“ stellt sich als Manipulation dar. Denn ein „Europaparlament“ existiert tatsächlich überhaupt nicht. Das Parlament, von dem in der Meldung die Rede ist, ist das Parlament der Europäischen Union. Der Kontinent Europa umschließt jedoch weit mehr Staaten als die, die sich in der EU vereinigt haben.“ (S. 105f.)

„Staatsartige Hyperverwaltung auf supranationalem Gebiet“

Spätestens nach dem Lesen des Kapitels wird deutlich, dass der Autor kein Freund der EU ist und dem System kritisch gegenüber steht – was durchaus seine Berechtigung haben kann. An jedem politischen System kann und soll Kritik geübt werden, denn nur durch öffentlichen Diskurs kann sich ein System weiterentwickeln und besser werden. Ob die EU tatsächlich so kritisch gesehen werden kann, wie Carlos A. Gebauer es sieht, muss diskutiert werden.

„Nach allem entwickelt sich eine zunehmend verselbsständigte, unüberschaubare und intransparente staatsartige Hyperverwaltung auf supranationalem Gebiet, mit welcher der Verlust jeglicher bürgerlicher, demokratischer Kontrolle einhergeht.“ (S. 208)

Es ist schade, dass die Kritik an der EU sich auf so wenige Punkte bezieht. Eine differenziertere Analyse und Auseinandersetzung bleibt auf der Strecke. Der Exkurs zum Thema Herrschaft bereitet nur die empirische Analyse des Herrschaftskonstrukt namens EU vor.

Fazit zu „Rettet Europa vor der EU“

Die von Carlos A. Gebauer angebrachten Kritikpunkte an der EU sind nicht von der Hand zu weisen. Dazu zählt sicherlich, dass die EU sowie ihre Mitgliedsstaaten und Bürger viel mit der EU-Bürokratie zu kämpfen haben, dass die getroffenen Entscheidungen oftmals sehr weit weg sind von den einzelnen Bürgern und es keine einheitliche mediale Öffentlichkeit gibt. All dies sind berechtigte Kritikpunkte an der EU, die diskutiert werden können und sollten.

Allerdings greift die EU-Kritik bisweilen zu kurz oder ist einseitig: Ein gemeinsames Europa hat den Bürgern bereits viele Vorteile gebracht. Ingesamt betrachtet ist das Buch dennoch lesenswert, auch um die eigene Meinung zu schärfen. Es stellt einen kritischen Beitrag zum öffentlichen Diskurs über die Zukunft der Europäischen Union dar. Wie bei jedem Diskurs aber ist ein kritischer Blick beim Lesen angeraten.

Über das Buch „Rettet Europa vor der EU“

Carlos A. Gebauer: Rettet Europa vor der EU: Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht, FinanzBuch Verlag, ISBN 978-3-89879846-4, Preis 17,99 Euro.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s