Euro-Entkopplung des Schweizer Franken (SFR) – Eine Entscheidung mit vielen Konsequenzen

Berlin – von Thorsten Lorenzen.

Unter Druck: Der Schweizer Franken nach der Euro-Entkopplung. Foto: Lupo  / pixelio.de

Unter Druck: Der Schweizer Franken nach der Euro-Entkopplung. Foto: Lupo / pixelio.de

Der 15. Januar 2015 markiert einen Wendepunkt in der Geldpolitik der Schweiz. Mit der Aufhebung der Kopplung des Franken an den Euro hat die Schweizerischen Nationalbank SNB erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Der seit mehr als drei Jahren gültige Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro wurde aufgegeben.

Eingeführt wurde der Mindestkurs in der heißen Phase der Euroschuldenkrise. Anleger aus dem krisengeschüttelten Währungsraum hatten damals ihr Geld in der Schweiz angelegt. Die darauf folgende deutliche Aufwertung des Franken belastete die exportorientierte Wirtschaft und den Tourismus im der Schweiz.

Chaos an den Märkten, Probleme bei Hedgefonds

Entgegen der Presseerklärung der SNB wird wohl der wahre Grund der gestern geöffnete Weg für die Staatsanleihekäufe durch die EZB sein. Mario Draghis Kaufprogramm hat neben Liquiditätsschaffung auch die Wirkung einer weiteren Abschwächurg des Euro zu anderen Währungen – wie zum Beispiel gegenüber dem Schweizer Franken – zur Folge. Die SNB wollte sich nach unserer Einschätzung dem nicht stellen und hat den Märkten freien Lauf gegeben.

Für Franz Schmid, Vorstandsvorsitzender der Bezirksvereinigung der VR-Banken in der Region Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen, scheint das Motiv der SNB klar zu sein, wie aus seiner Stellungnahme für die Schwäbische hervorgeht. Die Auswirkungen waren erheblich. Der Aktienmarkt in Zürich brach um bis zu 14 Prozent ein und der Franken fiel zeitweise auf 78 Rappen.

Deutsche Bank und Citigroup drohen Millionen-Verluste

Erste Zeitungsberichte geben Hinweise auf die Auswirkungen. So hat, laut einem Zeitungsbericht, dieser Schritt der Deutschen Bank massive Verluste beschert. Nach Berichten des „Wall Street Journal“, unter Berufung auf eingeweihte Kreise, könnten der Deutschen Bank ca. 150 Millionen Dollar Verlust drohen. Der Citigroup könnten Verluste in gleicher Größenordnung bevorstehen. Die britische Bank Barclays und einige Hedgefonds sollen kräftig Geld verloren haben.

Eines der größten Opfer der SNB-Entscheidung ist der US-Onlinebroker für Kleinanleger, FXCM. Die Firma musste, nachdem die Aktie um mehr als 70 Prozent gefallen war, mit einem Notkredit über 300 Millionen Dollar gerettet werden. Alpari UK musste Insolvenz anmelden. Der bisher wohl größte Verlierer ist der Global Fund von Everest Capital, ein US-Hedgefonds der darauf gesetzt hatte, dass der Franken an Wert verliere, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Der Fonds habe nahezu sein gesamtes Kapital verloren und werde deswegen geschlossen. Bloomberg berichtet, dass Marko Dimitrijevic Hedgefonds-Manager bei Everest Capital seinen größten Fonds nun schließe. Der Fonds verfügte per Ende 2014 über ein Vermögen von etwa 830 Millionen Dollar.

Kurzfristiges Risiko für langfristige Stabilität

Die Schweizerische Nationalbank in Bern. Foto: Baikonur auf WikiMedia / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Schweizerische Nationalbank in Bern. Foto: BaikonurCommons Wikimedia / Lizenz CC BY-SA 3.0

SNB-Chef Thomas Jordan verteidigte den Kurswechsel gegenüber der „Neuen Züricher Zeitung“ und dem Blatt „Le Temps“. Er sei sich bewusst gewesen, dass die überraschende Abkehr vom Mindestkurs zum Euro die Schweizer Wirtschaft vor Probleme stelle und die Finanzmärkte einige Zeit bräuchten, um sich davon zu erholen. Der Schritt sei aber wegen des anhaltend fallenden Euros nötig gewesen, um langfristig die Kontrolle über die Geldpolitik zu behalten.

Freier Franken: Wie geht es weiter?

Jordan braucht dringend einen besseren Wechselkurs und dafür benötigt er Investoren und Spekulanten, die mit ihm auf einen höheren Euro spekulieren. Aber warum rührt er dafür die Werbetrommel und verspricht sogar, selbst wieder kräftig Euros zu kaufen? Die Aufhebung des Mindestkurses hat dazu geführt, dass sich der Gegenwert der Euro-Währungsreserven der SNB von ca. 220 Milliarden Franken innerhalb kürzester Zeit auf 190 Milliarden Franken verringert. Damit sitzt die Nationalbank auf einem Wechselkursverlust von 30 Milliarden Franken, den Jordan bis zur Vorlage der nächsten Gewinnaufstellung in knapp einem Jahr verringern möchte.

Die SNB wird daher wahrscheinlich massiv Euros kaufen, in der Hoffnung der EUR/CHF-Kurs steigt. Mit den Gewinnen könnten die alten Verluste kompensiert werden. Die Zukunft des Wechselkurses und damit die Stabilität und das Wachstum der schweizer Wirtschaft scheint vorerst offen.

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