„Amerikahörig“ und „desaströs“: Paul Krugmann und Max Otte kritisieren deutsche Wirtschaftspolitik scharf

Berlin – von Wolfgang Kuhlmann.

Ökonom Paul Krugman, Träger des Preises für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel, auf einer Pressekonferenz der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Stockholm. Foto: Prolineserver (talk) - Lizenz GFDL 1.2 / Wikimedia Commons.

Kritisiert die deutsche Wirtschaftspolitik scharf: Ökonom Paul Krugman. Foto: Prolineserver (talk) – Lizenz GFDL 1.2 / Wikimedia Commons.

Der deutsche Börsenprofessor Max Otte und der amerikanische Ökonom Paul Krugman gehen hart ins Gericht mit der deutschen Bundesregierung.

Die Wirtschaftspolitik Deutschlands zur Bewältigung der Wirtschaftskrise sei geprägt durch die Hörigkeit der Bunderegierung gegenüber Amerika, hält Otte fest.

Nobelpreisträger Krugman kritisiert noch schärfer: Die „Beggar thy neighbour“-Politik von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sei desaströs.

„Wenn Krieg ausbricht, bekommen wir eine Weltwirtschaftskrise“

Die Schwäche der Börse sei nicht einfach nur ein Absturz, ist Max Otte überzeugt. Der Ökonom hält die Gefahr eines weiteren Crashes für ziemlich real. „Das Risiko kriegerischer Auseinandersetzungen ist so hoch wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr – vielleicht abgesehen von der Kuba-Krise. Wenn jetzt Krieg ausbricht oder sich der Wirtschaftskrieg verschärft, bekommen wir eine Weltwirtschaftskrise“, sagt Otte im Interview mit der Wirtschaftswoche.

Die bevorstehende Krise habe einen „gewissen Endspielcharakter“, führt Max Otte weiter aus: „Neben der Russlandfrage, erweist sich ja auch die Politik der Notenbanken mehr und mehr als Sackgasse. Die zunehmenden staatssozialistischen Maßnahmen ziehen nicht mehr, der Westen ist also auch am Ende. Nach dem Finale kommt es sicher zur Neuordnung des Währungssystems, vielleicht kommt ein Schuldenschnitt oder etwas in der Art.“

Krugman: Deutschland hat aus der Krise nichts gelernt

Prof. Max Otte (2. v.l.) auf einer Podiumsdiskussion der Deutschen Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik. Foto: DGFHP e.V.

Prof. Max Otte (2. v.l.) auf einer Podiumsdiskussion der Deutschen Gesellschaft für Finanz- und Haushaltspolitik zur Zukunft des Euros in 2012. Foto: DGFHP e.V.

Auch Paul Krugman findet reichlich Kritik an der deutschen Wirtschaftspolitik. Man müsse sich schon fragen, so der Nobelpreisträger gegenüber der New York Times, wann Europa endlich der Realität ins Auge blicke: „Was wir momentan beobachten, ist die zerstörerische Kraft schlechter Ideen“.

Deutschland sei zwar nicht der einzige Grund für das Schwächeln der Euro-Zone, aber: „Wenn es ein Land gibt, das aus der bisherigen Krise nichts gelernt hat, dann ist das Deutschland“, ist sich Krugman sicher. Der Ökonom warnt davor, den bisherigen Weg der Sparpolitik weiterzuverfolgen: „Europa steuert in Zeitlupe auf das Desaster zu, und schuld ist nicht die Peripherie, sondern Deutschland“.

Krugman, Shiller, Kahneman: Die Wirtschafts-Flüsterer

Paul Krugman gehört, neben seinen Kollegen Kahneman, Shiller, Piketty und Fama, zu den mächtigsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Im F.A.Z.-Ökonomenranking 2014 belegen die Wissenschaftler die ersten fünf Ränge in der Liste der zehn einflussreichsten im Ausland tätigen Ökonomen im deutschsprachigen Raum.

Für das Ökonomenranking wurde die Medienpräsenz ausländischer Ökonomen anhand eines Zitations-Indexes in Medien und Forschung sowie die Anzahl an Nennungen von hochrangigen deutschen Politikern gemessen.

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