Markus Ferber MdEP: „Regulierung des Hochfrequenzhandels“

Brüssel – Gastbeitrag von Markus Ferber, MdEP.

Die Frankfurter Wertpapierbörse. Foto: Wikipedia.de

Die Frankfurter Wertpapierbörse. Foto: Wikipedia.de

Obwohl es sich um ein scheinbar trockenes und technisches Thema handelt, hat der Hochfrequenzhandel in den vergangenen Monaten einige mediale Aufmerksamkeit erfahren.

Normalerweise sind die technischen Finessen hinter Börsenhandelsthemen nicht unbedingt das Material, aus dem spannende Geschichten gestrickt sind. Die Kombination aus High-Tech und schnellem Geld hingegen, scheint allerdings doch einen Nerv getroffen zu haben. In jedem Fall war die Berichterstattung zu diesem Thema eher negativer Natur.

Der Hochfrequenzhandel wurde in der Öffentlichkeit als Inkarnation der Zockerei an den Finanzmärkten wahrgenommen. Ruft man sich die Ereignisse rund um den so genannten „Flash Crash“ im Jahr 2010 in Erinnerung, bei dem der US-amerikanische S&P500-Aktienindex aufgrund fehlgeleiteter automatisierter Handelsstrategien binnen weniger Minuten um mehr als 1000 Punkte nachgegeben hat, wird klar, warum der Hochfrequenzhandel in Verruf geraten ist.

Hochfrequenzhandel – weder Verkörperung des Bösen noch Lösung aller Probleme

Eine solche Wahrnehmung ist jedoch zu einseitig. Steigt man ein wenig tiefer in die Materie ein, wird schnell klar, dass Hochfrequenzhandel weder die Verkörperung des Bösen noch die Lösung aller Probleme ist. So geht der Hochfrequenzhandel, wie der „Flash Crash“ zeigt, einerseits durchaus mit Gefahren einher. Andererseits können Hochfrequenzhändler gerade im Bereich des so genannten „Market-Makings“ für viel Liquidität im Markt sorgen und damit Volatilität reduzieren und den Handel von Finanzprodukten insgesamt effizienter und günstiger machen.

Bei der Regulierung dieses sehr speziellen Bereichs kommt es also darauf an, systemische Risiken zu reduzieren, gleichzeitig aber die Vorteile des Hochfrequenzhandels zu bewahren. In der Summe gilt es also die richtige Balance zwischen Geschwindigkeit, Transparenz, Effizienz, Stabilität und fairen Ausgangsbedingungen zu finden. Dies sind sicherlich wiederkehrende Motive im Bereich der Finanzmarktregulierung und waren Herausforderungen, denen sich der europäische Gesetzgeber im Rahmen der Arbeiten an der Finanzmarktrichtlinie MiFID II ebenfalls ausgesetzt sah.

MiFID – Verhindern, dass sich „Flash Crash“ wiederholt, noch das sich „Market Making“ lohnt

MiFID dient der Umsetzung der Umsetzung der 2009 auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh vereinbarten Ziele im Bereich Finanzmarktregulierung. Damit stellt MiFID II das Fundament der europäischen Finanzmarktregulierung nach der Krise dar – selbstverständlich fällt damit auch die Regulierung des Hochfrequenzhandels unter den Anwendungsbereich der Richtlinie. Als Berichterstatter des Europäischen Parlaments für die MiFID habe ich mir zwei komplementäre Ziele für die Regulierung des Hochfrequenzhandels gesetzt: Einerseits müssen die neuen Regeln verhindern, dass sich Vorfälle wie der „Flash Crash“ wiederholen, andererseits müssen wir die Regeln so ausgestalten, dass sich erwünschtes Verhalten wie etwa „Market Making“ lohnt.

Entsprechend haben wir uns in langen Verhandlungen auf ein umfassendes Regelwerk geeinigt, das ich gern in aller Kürze skizzieren möchte. Zunächst haben wir uns auf Maßnahmen verständigt, die verhindern sollen, dass der Hochfrequenzhandel aus dem Ruder läuft. Dazu gehört die grundsätzliche Verpflichtung, dass Handelsalgorithmen von den national zuständigen Behörden überprüft und genehmigt werden, bevor sie am Markt eingesetzt werden. Um sicherzustellen, dass die national zuständigen Aufsichtsbehörden stets darüber im Bilde sind, welche Strategien am Markt angewendet werden, müssen Hochfrequenzhändler alle platzierten, ausgeführten und abgebrochenen Handelsaufträge protokollieren und den Aufsichtsbehörden im Bedarfsfall zur Verfügung stehen.

Als zusätzlichen Sicherheitsmechanismus sind künftig „Circuit Breaker“ vorgeschrieben, die im Falle einer außergewöhnlich hohen Volatilität zu einer automatischen Handelsunterbrechung führen. Auf besonderen Wunsch der europäischen Finanzmarktaufsichtsbehörde ESMA (European Securities and Markets Authority) wird es darüber hinaus künftig für jedes Finanzinstrument eigene Mindestspreisschritte („Tick-Sizes“) geben, was zu einer weiteren Entschleunigung des Hochfrequenzhandels beitragen dürfte. Allerdings sehe ich bei genau dieser Vorschrift noch enorme praktische Probleme in der Umsetzung.

Bedenkt man die schiere Anzahl an bereits existierenden Finanzprodukten einerseits und die beachtliche Anzahl an Produkten, die jeden Tag aufs Neue geschaffen werden, wird das Festlegen von individuellen Mindestpreisschritten zur Mammutaufgabe. Dies gilt umso mehr für solche Finanzinstrumente, für die es nur ein geringes Handelsvolumen gibt. Hier hat sich die ESMA, die dieses Feld im Rahmen der zahlreichen Umsetzungsrechtsakte zu bearbeiten hat, mit ihrer Forderung nach einem solchen System selbst das Leben schwer gemacht.

Die Regulierung des Hochfrequenzhandels auf europäischer Ebene war also ein Balanceakt, der aber angesichts des Regulierungsdefizit in diesem Bereich und verschiedener nationaler Initiativen notwendig war

Neben den Vorschriften, die den Hochfrequenzhandel sicherer machen sollen, erkennt die MiFID die wichtige Funktion des „Market Making“ explizit an. Mit MiFID II wird eine „Market Making“-Verpflichtung eingeführt, durch die Hochfrequenzhändler für einen bestimmten Teil des Handelstages durchgehend An- und Verkaufskurse stellen müssen. Damit wird sichergestellt, dass der größte Vorteil des Hochfrequenzhandels, nämlich die Bereitstellung von Liquidität, auch tatsächlich und zum Wohle aller Marktteilnehmer genutzt wird.

Die Regulierung des Hochfrequenzhandels auf europäischer Ebene war also ein Balanceakt, der aber angesichts des Regulierungsdefizit in diesem Bereich und verschiedener nationaler Initiativen notwendig war, um das Funktionieren des Binnenmarktes sicherzustellen. Ich glaube, dass am Ende eine gute Mischung gelungen ist, die die Finanzmärkte robuster und liquider zugleich macht. Nun gilt es, die vielen technischen Umsetzungsrechtsakte, die auch für den Bereich des Hochfrequenzhandels relevant sind, möglichst praktikabel umzusetzen.

Das Europäische Parlament wird diesen Prozess kritisch-konstruktiv begleiten. Wenn wir die neuen Regeln für den Hochfrequenzhandel erst einmal beschlossen und vollständig umgesetzt haben, besteht auch wieder die Chance auf bessere Presse für den Hochfrequenzhandel.

Der Autor
Markus Ferber MdEP. Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / CC BY-SA 3.0

Markus Ferber MdEP. Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / CC BY-SA 3.0

Markus Ferber ist Politiker der CSU und Abgeordneter im Europäischen Parlament.

Dort war er von 1999 bis 2014 Vorsitzender der CSU-Europagruppe.

Seit 2005 ist Markus Ferber Bezirksvorsitzender der CSU Schwaben.

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