Finanzierungskreislauf: Warum Deutschland ein neues Börsensegment für Technologie-Firmen braucht

Ludwigshafen – Gastbeitrag von Maximilian Göbel.

Deutsche Börse: Der DAX im Blick: Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Symbolbild: Der DAX im Blick. Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Junge Technologie-Start-ups sind in der Regel deutlich innovativer als alteingesessene Konzerne und transnationale Unternehmen.

Das liegt nicht zuletzt an einer höheren unternehmerischen Risikobereitschaft, mehr Flexibilität und direkt gebündelter Entscheidungskompetenz.

Sie tragen so zur Wettbewerbsfähigkeit, dem Funktionieren der Marktwirtschaft sowie dem wirtschaftlichem Wachstum bei und schaffen dabei neue Arbeitsplätze.

Bootstrapping vs. Fremdkapital

Von innovativen Ideen hin zum marktreifen Produkt benötigen Jungunternehmer hinreichend Eigenkapital. Neben der Möglichkeit des Bootstrappings (Selbstfinanzierung ohne Fremdkapital), müssen High-Tech Start-ups jedoch häufig auf Fremdkapital zurückgreifen, um die notwendigen Investitionen in die Forschung und Entwicklung ihres Produkts tätigen zu können.

Das von Venture Capitalists (VC) zur Verfügung gestellte Fremdkapital erhalten Gründer im Austausch mit Unternehmensanteilen ihres Startups. Die Investitionen der VCs erfolgen jedoch nur, wenn auch Aussicht auf eine gewinnbringende Veräußerung der erworbenen Anteile besteht. Der Exit aus jenen Anteilen erfolgt meist durch Verkauf an andere Finanzinvestoren oder eben an Anleger durch einen Börsengang. Die Tatsache, dass eine spätere Möglichkeit zu einem etwaigen Börsengang besteht, hilft Unternehmern dabei, bereits früh Venture Capital einzusammeln und stellt somit eine Hebelwirkung für die Start-ups dar.

Start-ups als lukrative Investitionsmöglichkeit

Hinzu kommt, dass diese Unternehmen eine attraktive Investmentmöglichkeit für Anleger darstellen, und nicht nur für VC’s. Immer wieder finanzieren Unternehmen ihr Wachstum auch über Finanzinstrumente, die Anlegern als Finanzprodukte im „grauen Kapitalmarkt“ angeboten werden, wie etwa Nachrangdarlehen, Genussscheine, Anleihen und Mini-Bonds und viele mehr. Diese sind bis jetzt, mit Ausnahme geschlossener Fonds, kaum reguliert und bergen für fachfremde Anleger hohe Ausfallrisiken. Ein entsprechend durch festgelegte Regeln und Standards eingeführtes Börsensegment bietet also auch einen höheren Anlegerschutz.

Venture Capital und Bruttoinlandsprodukt

Bruttoinlandsprodukt und Venture-Capital-Investitionen Deutschland / USA im Vergleich, basierend auf Allianz für Venture Capital.

Bruttoinlandsprodukt und Venture-Capital-Investitionen Deutschland / USA im Vergleich, basierend auf Allianz für Venture Capital. (Klicken zum Vergrößern)

In Deutschland könnten die Investitionen in neue Ideen höher sein.

In konkreten Zahlen: Während in Deutschland von 2011 bis 2013 nur rund zwei Milliarden Euro Wagniskapital investiert wurden, waren es in den Vereinigten Staaten rund 64 Milliarden Euro – und zwar im selben Zeitraum.

Besonders interessant ist diese Tatsache mit Blick darauf, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) weniger als ein Viertel des amerikanischen BIPs ausmacht.

Aber auch im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn besteht noch Raum für weitere Entwicklungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Venture Capital. Zumal derzeit bis zu 72 Prozent der getätigten Investments in Start-ups aus dem Ausland stammen.

Benötigt: Technologie-Börsensegment

Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 muss daher als Chance begriffen werden, um Lehren zu ziehen und eine günstige Konzeption eines Technologie-Börsensegments zu ermöglichen. Insbesondere sollte auf eine diversifizierte und ausgewogene Mischung unterschiedlicher Unternehmen geachtet werden. Insider-Handel und die Verletzung von Veräußerungsverboten müssen strikt sanktioniert werden. Durch den kontinuierlichen Einsatz von Analysten und die Auswertung von Kennzahlen können Übertreibungen erkannt werden. Mögliche Zusatzlasten für Unternehmen, so die häufig genannte Bürokratie, können durch bereits umfangreiche Berichtspflichten gegenüber bereits vorhandenen Geldgebern entkräftet werden.

Wirtschaftsministerium unterstützt eigenes Börsensegment

Zwar ist die Zurückhaltung der Deutschen Börse durchaus nachvollziehbar – gerade mit Blick auf das Platzen der Dotcom-Blase -, dennoch scheint es nicht nur die Angst vor einer Wiederholung dieses Scheiterns zu sein, sondern der Bedarf nach einem solchen Segment wird schlichtweg nicht gesehen. Doch während die Deutsche Börse sich verweigert, werden die Rufe nach einem solchen Börsensegment seitens der Deutschen Start-up-Verbände laut.

Auch der Bundeswirtschaftsminister Gabriel, der sich ähnlich wie sein Vorgänger Philipp Rößler mit Nachdruck für die Einführung eines Technologie-Börsensegments einsetzt, erkennt den Bedarf. So heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium, dass der Entry Standard offensichtlich nicht hinreichend attraktiv genug ist und keinen Ersatz für ein eigenes Börsensegment darstellt. Selbst der ehemalige EU-Kommissionsvize Günther Verheugen forderte zuletzt eine spürbare Förderung des Unternehmertums.

Zunehmende Konzentration der Digitalwirtschaft

Wie Scheitern in Deutschland und den USA antizipiert wird, eigene Darstellung.

Wie Scheitern in Deutschland und den USA antizipiert wird, eigene Darstellung.

Auch die mittlerweile aufblühende Startup Landschaft in Deutschland ist kein hinreichendes Indiz für den fehlenden Bedarf. Das bloße Ausruhen aufgrund dieser Analyse – soweit sie denn überhaupt quantifizierbar ist – verkennt jedoch die Herausforderungen vor denen innovative Unternehmen stehen.

Zur Produktentwicklung und dem Erschließen neuer Absatzmärkt bedarf es an Investitionen – Geld sparen hilft hier nicht. Zumal junge Unternehmen mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen haben. Im Bereich der Digitalwirtschaft findet eine zunehmende Konzentration der Märkte statt, weshalb es für kleine Unternehmen schwierig ist sich langfristig durchzusetzen.

Ein Technologie-Börsensegment könnte Teil eines Gesamtpakets zur Förderung der deutschen Start-up-Landschaft sein. Zu einem ganzheitlichen Ansatz eines Innovationsstandortes könnten jedoch auch steuerliche Anreize zur Investition, eine umfassendere Bildungs- und Forschungsförderung gehören, aber auch eine verbesserte Kultur des Scheiterns.

Tech-Börsensegment schließt Finanzierungskreislauf

Deutschland kann es sich nicht leisten im Wettbewerb der Internetökonomie zurückzufallen (Stichwort digitale Transformation). Die wirtschaftliche Bedeutung von High-Tech-Start-ups samt deren Innovationsfähigkeit und allen damit verbundenen Effekten sind für die Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit als auch des Wohlstands von Bedeutung.

Letztlich schließt ein neues und leistungsfähiges Technologie-Börsensegment den Kreislauf zur Finanzierung von jungen Unternehmen und schafft somit bessere Rahmenbedingungen für Unternehmertum in Deutschland.

Der Autor
Maximilian Göbel, JU Ludwigshafen

Maximilian Göbel, Foto: JU Ludwigshafen

Maximilian Göbel, Jahrgang 1991, studiert Wirtschaftsingenieurswesen am KIT und ist Kreisvorsitzender der Jungen Union Ludwigshafen. Er ist zudem Vorsitzender des gleichnamigen Arbeitskreises sowie stellvertretendes bürgerschaftliches Mitglied im Umweltausschuss des Stadtrates.

Maximilian Göbel auf Twitter: @MaxGoebel

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