NRW verkauft Warhol-Werke: „Rot-Grün muss endlich zu ihrer kulturpolitischen Verantwortung stehen“

Düsseldorf – Gastbeitrag von Ingola Schmitz MdL.

Der Verkauf von Kunstwerken aus landeseigenen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat Landtag und Medien in den vergangenen Wochen mehr als nur ein Mal beschäftigt.

Kunstwerk von Andy Warhol in der Ausstellung "Headlines" im MMK Museum of Modern Art, Frankfurt am Main. Foto: <a title="Wolfgang Kuhlmann - www.wolfgang-kuhlmann.de" href="http://www.wolfgang-kuhlmann.de" target="_blank">Wolfgang Kuhlmann - wolfgang-kuhlmann.de</a>

Kunstwerk von Andy Warhol in der Ausstellung „Headlines“ im MMK Museum of Modern Art, Frankfurt am Main. Foto: Wolfgang Kuhlmann – wolfgang-kuhlmann.de

Wie von den Rot-Grün zu erwarten, ist der Antrag „Kunstwerke in öffentlichem Eigentum vor Ausverkauf schützen – Transparenz durch ein Kunstregister sicherstellen und Kulturgüter den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich machen“ der FDP-Landtagsfraktion abgelehnt worden.

Die FDP fordert, dass ein Verkauf von Kunstwerke im Eigentum öffentlicher Einrichtungen des Landes und landeseigener Unternehmen der Landesregierung ohne eine angemessene Beteiligung grundsätzlich nicht stattfindet.

Kunstschätze unter dem Hammer

Zudem hat die FDP in der parlamentarischen Fragestunde den Finanzminister noch einmal in die Mangel genommen. Es ist in der Tat zu befürchten, dass viele wertvolle Kunstschätze insbesondere der Portigon AG, den alten West LB Bestand betreffend, unter den Hammer kommen. Finanzminister Norbert Walter-Borjans sagte dazu:

„Das Endergebnis wird sein, dass es Portigon in dieser Form auch nicht mehr geben wird. Dann gibt es auch die darin befindlichen Kunstgegenstände nicht mehr im Eigentum von Portigon.“

Kultur- und haushaltspolitische Bankrotterklärung

"Headlines" im Frankfurter MMK: Werk von Andy Warhol. Foto: Wolfgang Kuhlmann - wolfgang-kuhlmann.de

„Headlines“ im Frankfurter MMK: Werk von Andy Warhol. Foto: Wolfgang Kuhlmann – wolfgang-kuhlmann.de

Der landeseigene Casino-Betreiber „WestSpiel“ will zwei wertvolle Werke des Künstlers Andy Warhol verkaufen. Mit dem Erlös sollen Verluste der landeseigenen Casinos ausgeglichen sowie eine neue Spielbank in Köln finanziert werden.

Weitere bedeutende Kunstwerke der „WestSpiel“ wurden durch unprofessionellen und sorglosen Umgang beschädigt oder sogar zerstört.

Dass ein landeseigenes Unternehmen Kunstwerke, die letztendlich den Bürgerinnen und Bürgern gehören, klammheimlich verkaufen will, ist für sich genommen schon ein starkes Stück.

Dass mit dem Erlös die Verluste der landeseigenen Casinos ausgeglichen und der Bau einer neuen Spielbank finanziert werden soll, ist eine kultur- und haushaltspolitische Bankrotterklärung. Und dass dieses landeseigene Unternehmen weitere Kunstwerke besitzt, die in Tresoren verstauben oder durch unangemessenen Umgang beschädigt werden, ist skandalös.

Grünen-Fraktionschef Priggen verteidigt Verkauf von Kunstschätzen

Es kommt noch schlimmer: Der Fraktionsvorsitzende der Grünen Reiner Priggen bekennt sich offensiv zum Verkauf von Kunstwerken aus öffentlichem Eigentum zur Sanierung des Haushaltes. Das zeigt den geringen Stellenwert von Kunst und Kultur für diese Landesregierung. SPD und Grüne wollen den Ausverkauf bedeutender Kulturgüter in Nordrhein-Westfalen fortsetzen und nehmen damit in Kauf, die kulturelle Vielfalt und das kulturelle Erbe des Landes nachhaltig zu beschädigen.

Der Verkauf der beiden Warhol-Werke wurde von mehreren Mitgliedern der Landesregierung im Vorfeld abgesegnet. Obwohl die Ministerpräsidentin zunächst reflexhaft auf die Nicht-Zuständigkeit der Landesregierung hinwies, kam im Zuge der Berichterstattung ans Tageslicht, dass u.a. Finanzminister Walter-Borjans und das Kulturministerium von Ute Schäfer ihre Einwilligung in die Veräußerung gegeben haben. Auch Innenminister Jäger steht als gesetzlich vorgegebene Aufsichtsinstanz über die landeseigenen Casinos in der Verantwortung.

Unangessener Umgang mit Kunst und Kultur im öffentlichen Besitz

Medien als Gegenstand moderner Kunst: Werk von Andy Warhol (Headlines, MMK, 2012). Foto: Wolfgang Kuhlmann - wolfgang-kuhlmann.de

Medien als Gegenstand moderner Kunst: Werk von Andy Warhol (Headlines, MMK, 2012). Foto: Wolfgang Kuhlmann – wolfgang-kuhlmann.de

Dadurch wird klar: Es wurde versucht, die Veräußerung der Kunstwerke, die sich im Grundsatz im Besitz der Öffentlichkeit befinden, im Verborgenen und an den Bürgerinnen und Bürgern vorbei zu vollziehen. Die FDP-Fraktion wendet sich deutlich gegen eine solche intransparente und kulturlose Praxis.

Für uns ist ein unangemessener Umgang mit Kunst und Kultur in öffentlichem Besitz genauso inakzeptabel wie Veräußerungen von Kunstwerken im Besitz von öffentlichen Einrichtungen bzw. landeseigenen Unternehmen an der Öffentlichkeit und an Kunstexperten vorbei. Das darf es grundsätzlich nicht geben.

Die rot-grüne Landesregierung muss endlich zu ihrer kulturpolitischen Verantwortung stehen. Es darf nicht sein, dass auf der einen Seite der Staat Unternehmen betreibt und Politiker in deren Aufsichtsgremien sitzen, diese sich auf der anderen Seite jedoch einen schlanken Fuß machen.

Ausverkauf landeseigener Kunst zukünftig stoppen

Außerdem will die FDP-Landtagsfraktion, dass die öffentlichen und kulturellen Interessen in Nordrhein-Westfalen gewahrt bleiben. Veräußerungen von Kunstwerken im Besitz von öffentlichen Einrichtungen bzw. landeseigenen Unternehmen an der Öffentlichkeit und an Kunstexperten vorbei darf es grundsätzlich nicht geben. Und die Landesregierung muss sicherstellen, dass mit Kunst in öffentlichem Besitz sorgsam und angemessen umgegangen wird. Leider wurde jedoch ein entsprechender Antrag von uns, mit dem die Landesregierung auch verpflichtet werden sollte, den Verkauf der Warhol-Werke zu verhindern, am 05. November von SPD und Grünen abgelehnt.

Das ist bedauerlich. Wir werden allerdings eine neue Initiative erarbeiten und in den Landtag einbringen. Auch wenn wir den Verkauf der Warhol-Bilder möglicherweise nicht verhindern können, wollen wir, dass der Ausverkauf landeseigener Kunst an Öffentlichkeit, Parlament und Kulturexperten vorbei durch die Landesregierung in Zukunft unterbleibt. Das sind wir der kulturellen Vielfalt und dem kulturellen Erbe sowie den Bürgerinnen und Bürgern Nordrhein-Westfalens schuldig.

Die Autorin
Ingola Schmitz MdL (FDP/NRW). Foto: Wikipedia.de

Ingola Schmitz MdL (FDP/NRW). Foto: Wikipedia.de

Ingola Schmitz MdL ist kulturpolitische Sprecherin und Sprecherin für die berufliche Aus- und Weiterbildung der FDP Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen.

Sie ist zudem Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat von Nörvenich und stellvertretende Vorsitzende der FDP im Kreis Düren.

Im Kreistag ist Ingola Schmitz als schulpolitische Sprecherin der FDP-Kreistagsfraktion tätig. 

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