Prof. Dr. Kristina Sinemus: IHK – aus Überzeugung dabei!

Darmstadt – Gastbeitrag von Prof. Dr. Kristina Sinemus,
Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar

Prof. Dr. Kristina Sinemus

Prof. Dr. Kristina Sinemus ist Präsidentin der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar.

Kritik an den Industrie- und Handelskammern (IHK) ist einfach – mir vielfach zu einfach.

Ich bin seit über zehn Jahren ehrenamtlich in den Gremien der IHK Darmstadt aktiv. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich mich als Chefin eines eher kleinen Unternehmens dazu entschlossen, als IHK-Präsidentin zu kandidieren.

Engagiert aus Überzeugung

Im Mai wurde ich von den 73 Unternehmerinnen und Unternehmern der Vollversammlung gewählt. Ich habe das aus Überzeugung getan und übe dieses Ehrenamt gerne aus, weil ich zu hundert Prozent von der Grundidee unternehmerischer Selbstgestaltung und Verantwortung für die eigenen Belange überzeugt bin.

Sollten wir Unternehmer das Angebot des Staates, unsere Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen und unsere Bedürfnisse an die Politik zu artikulieren, etwa ablehnen? Es ist doch vielmehr Privileg als Zwang, dass wir Unternehmer eigentlich öffentliche Aufgaben, die uns betreffen, selber gestalten können. Die IHK ist eine Plattform für die Vielfalt der Unternehmensinteressen und bündelt diese zu einer Position der regionalen Wirtschaft. In der Summe aller IHKs wird daraus ein politisches Gewicht mit Einfluss in Berlin und Brüssel.

Bunte Vielfalt der kleinen Unternehmen

Logo der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar. Quelle: IHK

Logo der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar. Quelle: IHK

Die IHK wird oft kritisiert als intransparente, undemokratische, von Funktionären und Honoratioren aus großen Unternehmen dominierte Männerwelt.

Dabei liegt es doch an uns Unternehmerinnen und Unternehmern, wie wir unsere IHK gestalten und nicht am System. Vielfalt, respektvoller Umgang und offener Austausch sind zumindest in der Vollversammlung der IHK Darmstadt hohe Güter. Wir haben beispielsweise eine Wahlgruppe speziell für kleine Unternehmen eingerichtet. 21 von 73 Mitgliedern der aktuellen Vollversammlung vertreten die bunte Vielfalt der kleinen Unternehmen.

Die meisten anderen sind klassischer Mittelstand. Wir haben einen neuen Ausschuss eingerichtet, der sich um die Interessen vor allem der kleineren Unternehmen kümmert. Eines der großen Ziele ist es, auf politischer Ebene mehr Aufmerksamkeit für deren Sorgen und Nöte zu erreichen.

Fokus auf Standortförderung, KMU, Fachkräfte & Netzwerke

In den letzten Monaten haben wir in einem demokratischen, für alle Mitglieder transparenten Prozess und mit reger Beteiligung aller Unternehmergruppen eine Strategie für die nächsten fünf Jahre entwickelt. Unsere vier großen strategischen Themen in den nächsten fünf Jahren sind:

  1. Den Standort Rhein Main Neckar voranbringen
  2. Kleinen und mittleren Unternehmen als Partner und Problemlöser helfen
  3. Fachkräftepotenzial erschließen
  4. Vernetzung in der Region vorantreiben

Diese Themenfelder sind mit einer Fülle von Aufgaben und Projekten unterlegt. Die IHK Darmstadt – und damit meine ich das Ehrenamt und das Hauptamt – versteht sich als Unterstützer der Unternehmen und der Politik. Wir wollen die Standortqualitäten vor Ort permanent verbessern und den Gesamtraum Rhein-Main-Neckar zu einer attraktiven und schlagkräftigen Wirtschaftsregion entwickeln.

Mitgliedsbeiträgefinanzieren Leistungen

Wer sonst als wir Unternehmen, organisiert in einer IHK, kann so eine Strategie anpacken? Wer sonst als wir, kann so enorm wichtige Themen wie duale Ausbildung oder das Gewinnen von Fachkräften für die Region so voranbringen? Wer sonst kann Wirtschaft, Politik und Wissenschaft so gut vernetzen? Aus meiner Sicht – und das sage ich aus voller Überzeugung – können nur wir als IHK-Organisation das leisten.

Das alles funktioniert aber nur durch Pflichtmitgliedschaft, nur so sind diese Leistungen finanzierbar. Wo sind sie denn die auf freiwilliger Basis organisierten Verbände, die quasi in den Startlöchern stehen und sich um diese wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben reißen?

Zukunftswerkstätten sind ein Erfolgsmodell

Wir haben beispielsweise vor drei Jahren – nach intensiver Diskussion in unserer Vollversammlung – eine Million Euro in die Hand genommen, mit der wir inzwischen an fast 40 Schulen in Südhessen Zukunftswerkstätten eingerichtet haben. In diesen speziell eingerichteten Klassenräumen lernen Schülerinnen und Schüler frühzeitig ihre Fähigkeiten und die dazu passenden Berufe kennen. Unternehmen aus dem jeweiligen Umfeld der Schule präsentieren sich und ihre Ausbildungsangebote und erhalten persönlichen Zugang zu potenziellen Azubis.

Dieses Erfolgsmodell wird inzwischen auch in der hessischen Landespolitik hoch angesehen. Ohne die Pflichtbeiträge unserer Mitglieder wäre das nicht möglich gewesen.

„Engagieren Sie sich, gestalten Sie mit!“

Gegen konstruktive Kritik an manchen Abläufen in der IHK-Organisation habe ich nichts einzuwenden, im Gegenteil, für eine lernfähige Organisation ist sie sogar notwendig und hilfreich. Aber aus der Ferne pauschal meckern gilt nicht.

Ich kann nur an alle Unternehmerinnen und Unternehmer appellieren: Gehen Sie zu Ihrer IHK, nutzen Sie deren Angebote, aber engagieren Sie sich auch und gestalten mit. Gemeinsam unternehmen und erreichen wir etwas.

Die Autorin

Prof. Dr. Kristina Sinemus. Foto: Quadriga Hochschule

Prof. Dr. Kristina Sinemus ist Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar und Geschäftsführerin der Genius Wissenschaft und Kommunikation GmbH, Darmstadt.

Prof. Dr. Sinemus ist seit Mai 2014 Präsidentin der mit 73.000 Mitgliedern zweitgrößten IHK in Hessen und seit vielen Jahren ehrenamtlich bei der IHK aktiv. An der Quadriga Hochschule Berlin ist Dr. Kristina Sinemus Professorin für Public Affairs.

Foto: Quadriga Hochschule Berlin

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