Thorsten Polleit & Michael von Prollius: Geldreform – Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld

Thomas Polleit/Michael von Prollius: "Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld". Quelle: FinanzBuch Verlag

Thomas Polleit/Michael von Prollius: „Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld“. Quelle: FinanzBuch Verlag

Berlin – von Marco Duller.

Thomas Polleit, Chefökonom von Degussa Goldhandel, und Michael von Prollius, Publizist und Unternehmensberater, haben bereits die dritte Auflage ihres Buches veröffentlicht. Wie der Titel „Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld“ bereits verspricht, geht es um die heutige Geldpolitik.

Polleit und von Prollius sind Anhänger von Ludwig von Mieses, einem österreichischen Wissenschaftler, der sich insbesondere mit der Geldtheorie beschäftigt hat.

Ludwig von Mieses zählt zur rennomierten „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“.

Für Freiheit und freie Märkte

„Ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, japanischer Yen oder Britischer Pfund: Sie alle sind ungedecktes Papiergeld, genauer: staatliches Zwangsgeld.“

Schon bereits in der Einleitung wird deutlich in welche Richtung das Buch tendiert. Die beiden Autoren machen keinen Hehl daraus, wie auch aus ihrer Biografie deutlich abzulesen ist, dass sie Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie sind. Freiheit und der freie Markt sind für sie hohe Werte:

„Dem Versuch, das Staatsgeldsystem aufrechtzuerhalten, fallen zudem immer mehr bürgerliche und unternehmerische Freiheiten zum Opfer. Die Gesellschaften verfangen sich im Gestrüpp des Interventionismus. Der Weg mündet in eine sozialistische Staats- und Befehlswirtschaft, die Unfreiheit und Elend bringt.“

Freies Marktgeld als Lösung von Krisen

Ausgangslage des Buches, wie bei vielen Büchern, die in letzer Zeit sich mit dem Thema Geld, Banken und Wirtschaft befassen, ist die Finanz- und Wirtschaftskrise und die daraus bedingten Folgen bzw. Handlungen von Staaten und Zentralbanken. Für Polleit und von Prollius ist freies Marktgeld, welches sich nur nach Angebot und Nachfrage richtet und ohne staatliche Intervention zustande kommt, die Lösung. Staatliche Eingriffe, wie sie in der Bankenrettung, aber auch Staatsrettung vorgekommen sind, erinnern die Autoren stark an sozialistische Planwirtschaft.

Thorsten Polleit, Chefökonom der Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH. Foto:

Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH. Foto: Facebook

Ein freies Geldsystem würde zwar mit der Gefahr der starken Abwertung bzw. Umtauschturbulenzen einhergehen, aber eigentlich nur die bereits bestehenden Ungleichgewichte, die durch die Eingriffe überdeckt werden, ans Licht bringen – unausweichliche Konsequenzen. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Definition von Geld und dessen Funktion. Clever gemacht sind die grau hinterlegten Kästchen mit Exkursen, wie z.B. über Geldarten oder Grenznutzen. Die Einschübe machen das Buch jedenfalls lesenswerter.

Zentralbanken dienen nur einem: dem Staat
Michael von Prollius. Foto: www.michael.von.prollius.de

Michael von Prollius. Foto: www.michael.von.prollius.de

Im darauf folgenden Kapitel wird die Entstehung des Geldes thematisiert, insbesondere unter Rückgriff auf Vertreter der Österreichischen Schule. Geld ist demnach „spontan, aus freien Markthandlungen“ entstanden.

Ein weiteres Kapitel „klärt“ über die Rolle der Zentralbanken auf, zumindest so wie sie die Autoren sehen.

Geld ist dabei für von Prollius und Polleit kein öffentliches Gut und Zentralbanken wurden nur gegründet, um den Kredithunger der Staaten zu stillen und privilegierten Gruppen Gewinne zu ermöglichen.

„Um seine Umverteilungsziele wirkungsvoller erreichen zu können, hat der Staat die Hoheit über die Geldproduktion an sich gerissen: Der Staat hält das Geldproduktionsmonopol. Sachgeld wurde durch ein beliebig vermehrbares, ungedecktes staatliches Zwangsgeld, ein Fiatgeld, ersetzt. Eine verhängnisvolle Entwicklung.“

„Staat beansprucht Monopol der Geldproduktion“

Natürlich darf ein Kapitel über Inflation nicht fehlen. Diese sei immer schädlich, so die Autoren. Außerdem folgt ein historischer Abriss über die Entwicklung des Geldes, vom guten Geld zum Staatsgeld beziehungsweise vom Sachgeld zum Papiergeld.

„Der Staat beansprucht das Monopol der Geldproduktion, weil sich auf diesem Wege Zwangsumverteilungspolitiken verfolgen lassen, die in einem freien Marktgeldsystem in dieser Größenordnung nicht möglich wären. Das Ersetzen des Sachgeldes durch ein staatliches Zwangspapiergeld, das beliebig vermehrt werden kann, vergrößert die Finanzkraft und damit auch die Wirkungsmacht des Staates in unerhöhrtem Ausmaß.“

Goldgedeckte, privatisierte Währungen sollen Zantralbanken ersetzen

Für die Autoren gibt es dabei eine Lösung – die Rückkehr zu einer goldgedeckten Währung, die privatisiert ist – also ohne Eingriffe von Staat und Zentralbanken auskommt. Nicht das erste Mal, dass diese Idee von Ökonomen oder Wirtschaftsakteuren angeführt wird. Die Abkehr vom Goldstandard in den 70er Jahren scheint heute heftiger den je Bestandteil von ökonomischen Debatten zu sein.

Fazit: Interessante Ausflüge in die Österreichische Schule mit einigen spannende Fakten bzw. historischen Zusammenhänge. Keine Verschwörungstheorien, aber viel Kritik. Durchaus lesenswert!

Über das Buch:

Thorsten Polleit/Michael von Prollius: Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld, FinanzBuch Verlag, 14,99 Euro, ISBN 978-3-89879-691-0

Eine Antwort zu “Thorsten Polleit & Michael von Prollius: Geldreform – Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld

  1. Die Masse der Dummen setzt sich aus allen Sparern zusammen, die noch immer nicht wissen, dass mit Geld sparen kein Geld zu verdienen ist (3. Gebot). Eine Ersparnis kann nur als “langfristiger Geldanspruch” in einer monopolfreien Marktwirtschaft auf unbegrenzte Zeit sicher erhalten bleiben. Jede andere Form des Sparens führt früher oder später zu einem teilweisen oder auch vollständigen Verlust der Ersparnis, sei es durch Inflation, Wirtschaftskrise oder Krieg. Schon seit der Erstveröffentlichung von “Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform” (Silvio Gesell, 1906) sollte der “Normalbürger” das begriffen haben. Nun ist aber der “Normalbürger” noch immer kein zivilisierter Mensch, sondern ein Kapitalist, d. h. entweder bereits ein Zinsgewinner oder ein Zinsverlierer, der ein Kapitalist werden will (Spießbürger). Was ein zivilisierter Mensch ist, der in allgemeinem Wohlstand, einer sauberen Umwelt und selbstverständlichem Weltfrieden lebt, wird für den “Normalbürger” erst nach dem Erkenntnisprozess der “Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion” überhaupt vorstellbar:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2014/10/eigennutz-und-gemeinnutz.html

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