Prof. Dr. Torsten Oltmanns: „Zu guter Arbeit gehört Anstand – eine Klarstellung“

Gastbeitrag von Prof. Dr. Torsten Oltmanns.

„Zu guter Arbeit im Unternehmen gehört eben auch persönlicher Anstand“, heißt es in der Besprechung von unserer Studie „Perception beats Performance – woran Manager scheitern“. Das stimmt, wie unsere Arbeit zeigt, stärker als je zuvor: Wir haben einen tiefgreifenden Wandel der Kriterien beobachtet, die zur Bewertung von CEOs herangezogen werden. Die Bedeutung der Performance für die Beurteilung von Managementleistungen hat abgenommen, die Bedeutung der Wahrnehmung von Persönlichkeit und Leistungen eines Managers zugenommen, auch seiner Fähigkeit, unterschiedlichste Anspruchsgruppen und deren Ansprüche zu integrieren.

Prof. Dr. Oltmanns: "Perception beats Performance".

Torsten Oltmanns: „Perception beats Performance“.

Etwa bis zur Jahrtausendwende waren harte Fakten und Zahlen – Aktienkurs, Gewinnentwicklung etc. – dabei das Maß aller Dinge. CEOs, die objektiv messbar gute Leistungen lieferten und das Unternehmen erfolgreich führten, konnten sich ihres Jobs sicher sein. Bernd Pischetsrieder beispielsweise überschlug sich 1995 auf einer Landstraße mit einem McLaren F1 aus dem Fuhrpark des Unternehmens. Die Umstände des Unfalls mit dem bis dato teuersten Auto der Welt (1,6 Millionen Mark) wurden nicht skandalisiert, der heute wohl unvermeidliche „Shit-Storm“ bliebt aus.

Öffentliche Meinung gewinnt an Einfluss

Wenige Jahre später hat sich der Einfluss der öffentlichen Meinung deutlich verstärkt, wie so oft noch schneller und stärker in den USA, wie das Beispiel der Entlassung von Mark Hurd als CEO von Hewlett-Packard demonstriert. Von 2004 bis 2009 steigerte er den Umsatz des Unternehmens von 80 auf 114 Milliarden US-Dollar. 2009 war er einer von Forbes „Market’s Best Managers“ und wurde für seine Performance gefeiert. 2010 musste Hurd dennoch gehen. Es war bekannt geworden, dass er einen ehemaligen Erotik-Star eingestellt hatte, in die er offenbar verliebt war. Trotz aller wirtschaftlichen Erfolge konnte Hurd die öffentliche Diskussion über dieses Fehlverhalten nicht durchstehen, er galt binnen Kurzem als nicht mehr tragbar.

Wer von Stakeholdern und Medien als Gefahr für das Image des Unternehmens ausgemacht wird, hat es extrem schwer. Da helfen – anders als vor 15 Jahren – auch noch so beeindruckende Unternehmenswert- oder Gewinnsteigerungen nicht weiter. Mehr als 80 Prozent der von uns untersuchten Karrieren wurden wegen Reputationsproblemen beendet. Das muss man nicht bedauern, der öffentliche Meinungsdruck hat sicher auch eine disziplinierende Wirkung und einen Druck zur Einhaltung der allgemein menschlichen, moralischen und rechtlichen Ansprüche zur Folge.

Professionelles Perception-Management

Aber nur wenige deutsche Manager haben diese neue Logik erkannt und die notwendigen Schlüsse daraus gezogen. Führungspersonal steht verstärkt im Rampenlicht und ist Gesicht bzw. Aushängeschild der Firma. Gleichzeitig hat mit den neuen Medien hat die Zahl der Beobachter zugenommen. Die Intensität der Überwachung von CEOs ist deshalb ungleich höher als noch in den 90er Jahren. Daher ist es für Manager und ihre Karriereplanung heute unerlässlich, ihre Außendarstellung professionell zu gestalten. Sie sollten ihre „Perception“ als einen Wert begreifen, der aktiv gemanagt werden sollte.

Es geht dabei auch darum, Schaden von dem Unternehmen abzuwenden. Nach Mark Hurds Entlassung bei Hewlett-Packard ist der Marktwert des Konzerns um 10 Milliarden US-Dollar gesunken. Die Marktkapitalisierung fiel zwischen 2010 und 2012 von 107 auf 40 Milliarden US-Dollar. Das ramponierte Image des Managers hat auf die Firma abgefärbt – schließlich war er ihr viel beachtetes Gesicht. Und das hatte sie verloren, nachdem es eine hässliche Fratze gezeigt hatte.

Gute Manager liefern nicht nur gute Zahlen, sie verhalten sich auch vorbildlich. Das war auch schon früher so. Heute haben sich die Prioritäten allerdings verschoben, und in vielen Fällen schlägt Perzeption die Performance als wichtigen Bewertungsmaßstab. Deshalb ist es nötig, die eigene Darstellung professionell zu planen. Das hilft den Managern genauso wie den Unternehmen.

Der Autor
Prof. Dr. Torsten Oltmanns

Prof. Dr. Torsten Oltmanns

Professor Dr. Torsten Oltmanns ist seit 2004 Partner und Global Marketing Director bei Roland Berger Strategy Consultants. Er berät Führungskräfte in Wirtschaft und Politik und leitet das Marketing der 51 Büros der Unternehmensberatung in 36 Ländern. In Kooperation mit dem Center of Political Economy (copes) an der Quadriga Hochschule und unter Mitarbeit von David Bedürftig, Christoph Ritschel und Fabian Timm hat er die Studie „Perception beats Performance – woran Manager scheitern“ durchgeführt. Jüngst wurden erste Ergebnisse veröffentlicht und medial besprochen.

2 Antworten zu “Prof. Dr. Torsten Oltmanns: „Zu guter Arbeit gehört Anstand – eine Klarstellung“

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