Reinhart und Rogoff: This time is different – oder jedes Mal eine andere Ausrede

Berlin – von Marco Duller.

Buchcover: "This time is different: Eight Centuries of Financially Folly".

Buchcover: „This time is different: Eight Centuries of Financially Folly“. Quelle: Princeton University Press/FinanzBuch Verlag

Schon der Titel des neuen Buches von Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff verspricht eine interessante Lektüre. Mit der neuen Analyse von „This time is different: Eight Centuries of Financial Folly“ liefern die beiden amerikanischen Autoren einen historischen Abriss von finanziellen Krisen und staatlichen Bankrotterklärungen.

Gerade durch die weitere Leitzinssenkung der EZB scheint die Finanzkrise noch nicht ausgestanden. Kürzlich erst war in einer großen deutschen Tageszeitung zu lesen, dass die Kanzlerin Ökonomen nicht mehr vertraut, da diese keine klaren Handlungslinien vorgeben könnten. Sie hätten schlicht keine Antworten auf die Krise.

Diese Krise ist – anders?

Rogoff, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds und heutiger Professor an der Harvard University, und Reinhart, Professorin an der University of Maryland, haben ein Buch verfasst, welches sowohl die wissenschaftliche Welt anspricht, aber auch für den „Normalsterblichen“ lesenswert ist. Dabei ist der Titel nicht willkürlich gewählt, sondern der Aufhänger der Analyse vergangener Krisen: Vor jeder Krise wurde betont, dass diese in dem Fall ganz anders und überhaupt nicht mit vergangenen Krisen zu vergleichen sei – und deshalb keine Krise darstelle.

Geschichte belegt Gegenteiliges

Historische Betrachtungen und Auswertung von vorhandenen Zahlen belegen etwas anderes. Staatsbankrotte und Finanzkrisen begleiten die Menschheit schon seit mehreren Jahrhunderten und sind kein Phänomen unserer heutigen Zeit. Bereits im Mittelalter war dieses Phänomen bekannt und spezielle Instrumente zur Lösung der Krise wurden entwickelt, zum Beispiel die Münzverschlechterung, bei welcher der Anteil von Gold bzw. Silber in den Münzen reduziert wurde. Interessant sind auch die Einblicke in das 20. Jahrhundert, insbesondere auf die Krisen der südamerikanischen Länder- wie z.B. Argentinien, einst eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Selbst Deutschland kennt den Staatsbankrott: Den Untergang der DDR mit eingerechnet, hat es bereits drei Mal eine Währungsreform gegeben, zum Teil mit erheblichen Wertverlust.

Der Leser darf sich bei den ausführlichen Analysen nicht von einzelnen Kapiteln abschrecken lassen, die sehr technisch und detailliert sind, sondern sollte Gewiss sein, dass nach dem Lesen des Buches das Verständnis für Finanz- und Staatskrisen gewachsen ist und das dieses Wissen durchaus zur Vermeidung eines Vermögensverlustes beim eigenen Privatvermögen eingesetzt werden kann.

Zum Buch:

Carmen M. Reinhart / Kenneth S. Rogoff: This Time is Different: Eight Centuries of Financial Folly, Princeton University Press, 2009, 496 Seiten, erhältlich für 18,95 Euro.

Das Buch ist auch auf Deutsch erschienen:
Carmen Reinhart / Kenneth Rogoff: Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen, FinanzBuch Verlag, 2010, 592 Seiten, erhätlich für 34,90 Euro

Eine Antwort zu “Reinhart und Rogoff: This time is different – oder jedes Mal eine andere Ausrede

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