Paul Krugman: „Vergesst die Krise: Warum wir jetzt mehr Geld ausgeben müssen“

Berlin – von Marco Duller.

Buchcover: Paul Krugmans "Vergesst die Krise!". Quelle: Campus Verlag

Buchcover: Paul Krugmans „Vergesst die Krise!“. Quelle: Campus Verlag

Der Nobelpreisträger, Wirtschaftswissenschaftler und Kolumnist der New York Times, Paul Krugman, hat mit seinem Buch „Vergesst die Krise: Warum wir jetzt mehr Geld ausgeben müssen“ einen neuen Debattenbeitrag zur Lösung der aktuellen Krise geliefert. Das Buch behandelt dabei nur am Rande die Eurokrise, bezieht sich stark auf die USA, die Rezepte aber sind universal. Schon bereits der Buchtitel verrät die grundsätzliche Denkrichtung Krugmans: Mehr Geld ausgeben. Sparen heißt Verzicht, Geld ausgeben hingegen hat konnotiert Paul Krugman positiv. In diesem Sinne verkündet Krugman auch eine einfache Botschaft: Hört auf mit dem Sparen und fangt an, staatliche Investitionen vorzunehmen.

Dauerkrise?

Beim Lesen der ersten Seite entsteht ein düsterer Eindruck: Geht es uns wirklich so schlecht? Ist die Krise schon so weit vorangeschritten? Aufgrund der gewählten Worte und Beschreibungen beschleicht den Leser schnell ängstliches Gefühl. Ein durchaus geschickt gewählter Start von Krugman, denn seine nachfolgenden Ausführungen werden so leichter empfänglich. Auf S. 31 schreibt Krugman etwa:

„Doch es wäre töricht, die negativen Auswirkungen zu unterschätzen, die eine Dauerkrise auf demokratische Werte und Institutionen haben könnte.“

Dennoch gibt es einen Lichtblick: Einfach mehr Geld ausgeben. Bisherige Instrumente und auch Denkweisen, so Krugman, haben versagt und es wird Zeit sich wieder auf Keynes zu besinnen. „Wenn ich behaupte, dass die Ursachen unserer wirtschaftlichen Katastrophe trivial sind, dann heißt das nicht, dass die Krise aus dem Nichts kam. Genauso wenig behaupte ich, dass es politisch einfach sein wird, uns aus diesem Schlamassel zu befreien. Hinter der Krise stecken Jahrzehnte falscher Politik und falscher Theorien.“ (Krugman, S. 36).

Sparen und Geldpolitik

Bisher wird in Europa zumindest, auf die Krise mit Sparen und geldpolitischen Maßnahmen reagiert. Nach Krugman ist dies genau der falsche Weg. Wir stecken in einer Liquiditätsfalle, in der das Geld für null Prozent zu erhalten ist, aber die Zentralbank trotzdem auf dem Geld sitzen bleibt. Für ihn ist die Nachfrage die entscheidende Größe zur Lösung der Krise. Die Nachfrage kann nicht durch private und staatliche Sparmaßnahmen stimuliert werden, sondern durch Mehrausgaben.

„In einer Zeit, in der Schuldner versuchen, mehr zu sparen und ihre Schulden zu bezahlen, muss irgendjemand das Gegenteil tun, also Geld aufnehmen und ausgeben, und dieser Jemand ist der Staat.“
Paul Krugman, S. 67

Inflation lässt Schuldenstand schmelzen

In der oftmals hitzigen Debatte hat Krugman einen Punkt, denn er fordert keine uferlose Verschuldung. Die Verschuldung solle langsamer steigen als die Summe aus Investitionen und Wirtschaftswachstum. So sei gewährleistet, dass nur Zinsen gezahlt werden müssen, die Inflation würde den Schuldenstand eindämmen. Ein interessanter Ansatz, der durchaus seine praktische Bewandtnis hat.

Krugman hat ein unterhaltsames Buch geschrieben, welches die ideologische Debatte zwischen den unterschiedlichen wissenschaftlichen Strömungen weiter befeuern wird. Es richtet sich ganz klar gegen die Befürworter staatlicher Sparmaßnahmen und postuliert den nach seiner Ansicht nach einzig richtigen Weg aus der Krise: Nachfrage durch mehr staatliche Ausgaben steigern.

Zum Buch:

Paul Krugmans Buch „Vergesst die Krise!: Warum wir jetzt mehr Geld ausgeben müssen“ ist im Campus Verlag erschienen und kostet in der gebundenen Ausgabe 24,99 Euro. ISBN 3593397293.

2 Antworten zu “Paul Krugman: „Vergesst die Krise: Warum wir jetzt mehr Geld ausgeben müssen“

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