Tourismus ist ein Weg aus der Krise

Frankfurt, 12.06.2014 – Gastbeitrag von Konstantinos Holzer.

Beliebtes Touristenziel: Oia in Santorini. Foto: Moonik / Wikipedia.de

Beliebtes Touristenziel: Oia in Santorini. Foto: Moonik / Wikipedia.de

Griechenland ist noch immer in erste Linie ein Land für Eingeweihte, wenn auch kein Geheimtipp, aber als Reiseland sträflich unterschätzt und viel zu wenig bekannt. Die Ursachen liegen sicher einerseits im Land selbst, das seine Marketingmöglichkeiten nicht ausschöpft, andererseits in Vorurteilen und Klischees, die auch viele Deutsche verinnerlicht haben, und die von Medien wie der BILD-Zeitung zementiert werden.

Mit der Krise und dem strikten Sparkurs, Bedingung der Milliardenhilfen der EU, haben sich die Unversöhnlichkeiten zugespitzt: Angela Merkel, als Verantwortliche und die Deutschen allgemein als Nazis angeprangert, stehen den Griechen als den Opfern gegenüber. Natürlich sind diese Pauschalisierungen falsch und obendrein gefährlich.

Die Krise und die Folgen

Vor vier Jahren, 2010, stand Griechenland vor dem Staatsbankrott. Die Schulden waren auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gestiegen. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beschlossen deshalb, im Eilverfahren ein milliardenschweres Hilfspaket – die größte Hilfsaktion in der Geschichte des Euro: Vom IWF und den anderen Euro-Staaten bekommt Griechenland 110 Milliarden Euro Hilfskredite – wir sprechen hier von Krediten! Deutschlands Anteil beträgt 22 Milliarden Euro. Allerdings nicht umsonst. Das Spardiktat ist extrem, innerhalb von nur drei Jahren soll radikal umgestaltet werden. Das geschieht auf dem Rücken der elf Millionen Bürger Griechenlands – viel weniger Nettoeinkommen, viel höhere Steuern. Vom Einstellungsstopp im staatlichen Sektor, der Erhöhung des Rentenalters, acht Prozent weniger Lohn für Beamte, diversen Gehaltsstreichungen und einer Erhöhung der Mehrwertsteuer von 21 auf 23 Prozent bis zur Lockerung des Kündigungsschutzes im privaten Sektor reicht die Spannbreite der eingeforderten Maßnahmen.

Die Wirtschaftsleistung Griechenlands ist von um die 230 Milliarden Euro auf 180 geschrumpft. Viel mehr als Stagnation wird nicht erwartet, auch wenn für 2014 eine Besserung in Aussicht gestellt wird – wie auch schon für 2013 und diese trat nicht ein. Erstmalig seit Beginn der Krise soll in diesem Jahr die Wirtschaft um 0,6 Prozent wachsen. In Bezug auf die Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung vorhergesagt. Der wirtschaftliche Niedergang hat schlimme Folgen für die Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit liegt bei um die 28 Prozent, das ist mehr als doppelt so hoch wie zu Beginn der Krise. Bei den Jugendlichen liegt die Arbeitslosigkeit bei 65 Prozent. Arbeitslose erhalten nur ein Jahr Hilfe, danach sind viele auf Unterstützung angewiesen, wie sie zum Beispiel von der Kirche geleistet wird. Fast 250.000 Menschen sind auf deren Suppenküchen und Lebensmittelhilfen angewiesen. Ein Drittel der Bürger Griechenlands ist ohne Krankenversicherung. Organisationen, wie besonders Ärzte der Welt, helfen in Notfällen und sind für viele die einzige Behandlungsstelle überhaupt. Hier werden Kinder geimpft und lebensnotwendige Medikamente an chronisch Kranke ausgegeben. Die Selbstmordrate ist im Land stark angestiegen. Viele gut ausgebildete Fachkräfte suchen Jobs im Ausland, weil sie keine Stelle finden. Das Land ist in eine humanitäre Katastrophe abgeglitten.

Auch bei der Europawahl zeigen die Folgen der Entwicklung. Das oppositionelle Bündnis der radikalen Linken, Syriza, bekam 26,5 Prozent der Stimmen, die regierende konservative Nea Dimokratia bekam 22,8 Prozent und die drittstärkste Kraft wurde die rechtsradikale Goldene Morgenröte mit 9,4 Prozent noch vor dem Bündnis ELIA (die quasi Neugründung der PASOK).
Tourismus als Motor

Stärkster Wirtschaftsmotor – und derzeit der einzige, der einen kurzfristigen Ausweg aus der Krise möglich machen könnte – ist der Tourismus. Griechenland gehört seit Jahren immer zu den Top-Zehn der beliebtesten Reiseländer der Deutschen. 2011 war Griechenland auf Platz sieben der beliebtesten Ziele nach Spanien, Italien, Türkei, Österreich, Frankreich und Kroatien. Auch 2013 lag es wieder auf Platz sieben, mit 2,2 Prozent, Spanien lag mit 12,6 Prozent auf Platz eins, Italien und die Türkei auf Platz zwei und drei mit rund 7,5 Prozent der Reisenden.

2013 sind fast 18 Millionen Touristen ins Land gereist, die meisten aus Deutschland. Laut Elsat, der griechischen Statistikbehörde, ist die Zahl der ausländischen Besucher um 15,5 Prozent gestiegen. Für dieses Jahr wird der historische Rekord von 19 Millionen Besucher erwartet. Aber bringt der Touristenboom auch das was er verspricht? Denn trotz der Niedrigzinspolitik der EZB leiden besonders die kleinen und mittelgroßen Unternehmen an einer Liquiditätsklemme. Sie bekommen kaum noch Kredite, bzw. die Banken berechnen hohe Zinsen. Für laufende Betriebsmittelkredite bis zu 100.000 Euro werden 7,21 Prozent Zinsen von den griechischen Banken berechnet. In der Euro-Zone liegt der Durchschnitt bei 4,12 Prozent. Neben der fehlenden Kreditvergabe leiden die Unternehmen unter der Korruption.

Das Problem liegt also darin, dass die kleineren Unternehmen vom Touristenboom wenig profitieren können, weil sie ohne Mittel ihre Betriebe nicht erweitern und der steigenden Nachfrage anpassen können. Der aktuelle Tourismusboom beruht außerdem in wesentlichen Teilen auf äußerliche Faktoren wie den Tourismus-Einbruch in Ägypten und Tunesien, einer Stagnation in der Türkei und dem wachsendem Inland-Tourismusmarkt in Deutschland. Eine langfristige und nachhaltige Erholung der Tourismusbranche erfordert viel Engagement in Punkto Marketing. Es gibt genügend Flughäfen und Hotels – jetzt müssen die Gäste kommen.

Spektakulär, malerisch, wunderbar und obendrein eine saubere Umwelt – Griechenland hat alles, was Urlauber sich nur wünschen können. Fantastische Landschaften, riesige Wälder, 14.000 Kilometer Küste, unberührte Traumstrände, großartige Felslandschaften, das Olymp-Gebirge mit schneebedeckten Gipfeln, unglaubliche antike Ausgrabungen, bedeutende historische Stätten und Museen, tolle moderne Städte – Griechenland ist ein Land der Superlative. Gleich in zwei Rankings einer renommierten US-Monatszeitschrift ist beispielsweise die Kykladeninsel Santorini die Nummer Eins der „16 besten Inseln der Welt“ und „beste Flitterwochendestination“. Die Küche wird allgemein unterschätzt, es gibt weit mehr als Tzatziki und Gyros. Besondere Käsesorten, gute Weine und viele traditionelle Qualitätsprodukte aus den verschiedenen Regionen können noch entdeckt und bekannter werden. Die große Kinderfreundlichkeit der Griechen macht das Land obendrein zu einem für Familien idealen Ausflugsziel.

Reisespezialist setzt auf Engagement

Das Reisebüro Apodixi.de will Griechenland als attraktives Reiseland bekannter machen und setzt gleichzeitig einen starken Akzent auf soziales Engagement. Konstantinos Holzer, 35, Geschäftsführer der Apodixi GmbH will wirtschaftliche Rentabilität mit Hilfe zur Selbsthilfe verbinden. Von jeder gebuchten Flug- und Pauschalreise geht eine Spende an Ärzte der Welt e.V. Außerdem will der Griechenland-Reisespezialist helfen, Vorurteile abzubauen. Er setzt auf individuelle Beratung und will den Urlaubern die Menschen und die Situation vor Ort nahebringen. Deshalb hat Apodixi ein Netzwerk aus Kleinunternehmen in Griechenland aufgebaut, von Cafés, Restaurants und Geschäften, in denen es für die Kunden von Apodixi Vergünstigungen gibt. Damit baut er kontinuierlich ein landesweites Netz auf, von dem alle profitieren, die Ladenbesitzer, die Apodixi-Kunden und Apodixi selbst. Eine win-win-win-Situation also, bei dem der Tourismus in Griechenland endlich auch den Stellenwert bekommen soll, den er verdient – und der durchaus möglich ist.

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